9. Gute Praktika und Stipendien

Die Bezahlung von Praktika vor und während dem Studium ist sehr unterschiedlich geregelt. Hinzu kommt, dass es keine verbindlichen Ansprüche der Bezahlung für Praktikantinnen und Praktikanten gibt. Die IG Metall schlägt vor, durch Tarifvertrag Praktikumsbedingungen zu regeln. Dadurch werden attraktive Rahmenbedingungen geschaffen, mit denen Schülerinnen, Schüler und Studierende gute Einblicke in die technische betriebliche Praxis erhalten können.

Ebenso müssen auch betriebliche Stipendiensysteme für Studierende eingeführt bzw. ausgebaut und tarifvertraglich geregelt werden. Den Unternehmen bietet sich damit die Möglichkeit, frühzeitig junge Menschen an das Unternehmen zu binden.


Gute Praktika anbieten

Praktika gehören zur Ausbildung und dienen nicht dazu, "billige Ferienjobber" zu haben. Praktikantinnen und Praktikanten lernen den betrieblichen Alltag und Ablauf sowie die Spezialitäten kennen und erhalten Einblicke in Grundfertigkeiten und konkrete Ingenieurarbeit. Daher sind Praktika auch ausschließlich während des Studiums und nicht danach geeignet. Da ein Praktikum während des Studiums in der Regel in Vollzeit absolviert wird, muss den Studierenden auch im Praktikum durch das Unternehmen eine Vergütung garantiert werden, von der sie ihre Unterkunft, Verpflegung, etc. bezahlen können.

 

Mit Tarifverträgen für Praktikantinnen und Praktikanten können Unternehmen zeigen, wie ernst es ihnen um die zukünftigen qualifizierten Fachkräfte ist. Vergleichbare Bedingungen mit adäquater Vergütung für studienbegleitende Praktika machen tarifgebundene Unternehmen für Studierende interessant.

 

Mit einem Angebot im Verbundpraktikum können auch klein- und mittelständische Betriebe attraktive Bedingungen anbieten. Hier können Schülerinnen, Schüler und Studierende in Rotation die unterschiedlichen Betriebe und Tätigkeitsfelder kennenlernen.

 

Stipendien-Tarifverträge nutzen

Bundesweit beziehen 3% der Studierenden Stipendien mit einem Durchschnittsbetrag von gut 300 € (19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks). Das ist nach wie vor zu wenig. Weitere Stipendiensysteme müssen eingeführt bzw. die bestehenden ausgebaut werden. Dazu wird eine mit nachvollziehbaren Kriterien verbundene Vergabepraxis benötigt. Dabei darf es nicht nur um Begabtenförderung gehen, sondern muss auch eine soziale Förderung in den Blick genommen werden.

 

Die IG Metall schlägt vor, die Studienunterstützung über Stipendien-Tarifverträge zu regeln. 2010 konnte in der niedersächsischen Metallindustrie erstmals ein Stipendien-Tarifvertrag abgeschlossen werden. Danach können sich beispielsweise Beschäftigte zur Weiterbildung zum Techniker oder zur Meisterin freistellen lassen. Dazu gibt es eine finanzielle Förderung durch den Arbeitgeber (siehe Maßnahme "Weiterbildung im Betrieb"). Wollen Unternehmen Studierende frühzeitig an sich binden, müssen die Möglichkeiten der Stipendien-Tarifverträge für diese Gruppe ausgeweitet werden.

Fazit

Die IG Metall fordert einen Stipendien-Tarifvertrag und ebenso einen Tarifvertrag für Praktikantinnen und Praktikanten. Nur mit guten Bedingungen in studienbegleitenden Praktika und mehr Stipendien für Studierende können spätere Absolventinnen und Absolventen für ein Unternehmen begeistert werden.

Foto: NOVUM/Schmidt

Garnet Alps,

IG Metall-Bezirksleitung Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Projekt i-connection, Hannover

 

»Die IG Metall schlägt vor, die Bedingungen für Praktika und Stipendien durch Tarifverträge zu regeln. Ziel sind attraktive Rahmenbedingungen, mit denen Schüler und Schülerinnen sowie Studierende gute Einblicke in die betriebliche Praxis erhalten. Betriebe können damit im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte junge Leute für den Betrieb interessieren.«


Wolfram Smolinski,

Betriebsrats- vorsitzender Volkswagen Osnabrück

 

»Ein Praktikum darf nicht für billige Urlaubsjobber missbraucht werden. Ein Praktikum ist Bestandteil der Ausbildung und sollte anständig bezahlt werden. Um den Wildwuchs zu verhindern, wäre ein Tarifvertrag nicht nur sinnvoll, sondern meiner Meinung nach dringend notwendig.«