Ingenieurmangel: Gegenmaßnahmen-Katalog der IG Metall

 

Einleitung

Die Worte "Fachkräftemangel" und "Ingenieurmangel" sind in aller Munde. In einigen Regionen und für einige Berufe existiert schon heute ein akuter Fachkräftemangel. In anderen Bereichen zeichnet sich diese Entwicklung erst für die nächsten Jahre ab. Über das Ausmaß des Fachkräftemangels gibt es unterschiedliche Prognosen und Studien. Zwischen allen Beteiligten dürfte jedoch unstrittig sein, dass es die deutsche Wirtschaft in wenigen Jahren mit einem deutlichen Ingenieurmangel zu tun haben wird. Dagegen gilt es schon heute die Weichen zu stellen.


Die IG Metall stellt einen Katalog von zehn Maßnahmen gegen Ingenieurmangel vor, der sich deutlich von anderen Vorschlägen der Arbeitgeberverbände und Teilen der Politik abhebt. Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales meinen, dass Thema Ingenieurmangel durch eine Lockerung der Zuwanderungsregelungen von hochqualifizierten Ausländern nach Deutschland lösen zu können. Außerdem wird die Erhöhung des Rentenalters auf 67 und teilweise noch länger propagiert. Darüber hinaus fordern einige Arbeitgeberverbände eine Arbeitszeitverlängerung.


Aus Sicht der IG Metall sind derartige Vorschläge nicht zielführend, es müssen ganz andere Akzente gesetzt werden. Wir brauchen ein Bündel von Maßnahmen, um aktiv gegen den Ingenieurmangel wirken zu können. In einem längeren Diskussionsprozess hat die IG Metall Bezirksleitung Niedersachsen und Sachsen-Anhalt zusammen mit Ingenieurinnen und Ingenieuren, Betriebsräten und Praktikern vor Ort einen Maßnahmenkatalog mit zehn Punkten erarbeitet. Hier sind auch Punkte benannt, die von den Arbeitgebern und von der CDU und FDP überhaupt nicht in die Debatte eingebracht werden.


Dies gilt insbesondere für die Einhaltung der Flächentarifverträge. Über viele Jahre haben einige Vertreter der Arbeitgeberverbände und CDU und FDP das Modell von Flächentarifverträgen stark kritisiert. Einige Arbeitgeber sind aus dem System der Flächentarifverträge ausgestiegen und haben versucht, mit Entgelten unterhalb des Flächentarifvertrages eine "Billiglohnstrategie" zu realisieren. Nun wundern sich dieselben Unternehmer darüber, dass sie im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte den Kürzeren ziehen. Wir erinnern die Arbeitgeber an eine marktwirtschaftliche Binsenwahrheit: "Wenn ein Gut in der Marktwirtschaft knapp wird, steigt sein Preis". Dies gilt auch für Fachkräfte wie Ingenieure. Wenn Fachkräfte knapp werden, steigt ihr Preis, also ihre Entgeltbedingungen. Der übliche Standard ist in der Metall- und Elektroindustrie der Flächentarifvertrag, in dem Entgelte und Arbeitszeiten auch für Ingenieurinnen und Ingenieure zwischen der IG Metall und den Arbeitgeberverbänden vereinbart sind. Firmen, die unterhalb des Niveaus des Flächentarifvertrages bezahlen, werden die Verlierer im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte sein. Diese neue Situation auf dem Arbeitsmarkt bietet den Beschäftigten viele Chancen.

 

Die IG Metall rät insbesondere Ingenieurinnen und Ingenieuren: "Treten Sie selbstbewusst auf. Fragen Sie beim beruflichen Start im Bewerbungsgespräch gezielt nach, ob der Betrieb gemäß Flächentarifvertrag bezahlt und welche anderen Arbeitsbedingungen der Betrieb bietet." Fachkräfte werden zukünftig immer mehr die Chance haben, sich ihren Arbeitgeber aussuchen zu können. Sie sind keine Bittsteller, sondern selbstbewusste Beschäftigte. Vor diesem Hintergrund versucht die IG Metall die Tarifbedingungen auch für Ingenieurinnen und Ingenieure ständig zu verbessern. Je mehr Menschen dabei mitmachen, umso einflussreicher wird die IG Metall und umso bessere Chancen gibt es auch in Zukunft, noch bessere Tarifverträge aushandeln zu können. Alle sind eingeladen dabei mitzumachen. Auskünfte geben dazu die Betriebsräte und Vertrauensleute der IG Metall in den Betrieben und die regionalen IG Metall-Verwaltungsstellen vor Ort.

Diskussion im Forum

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